Dienstag, 17. November 2015

Wohnungsbau: ABI fordert Taten statt Worte

Nach Angaben der Bundes- und Landespolizei sind seit Anfang September mehr als 400.000 Flüchtlinge in Bayern angekommen. Die bayerische Immobilienwirtschaft fordert angesichts des angespannten Wohnungsmarkts pragmatische Lösungen für bezahlbaren Wohnungsbau. Die Politik hat inzwischen erkannt, dass das Bauen künftig schneller und kostengünstiger werden soll. „Bisher ist aber nichts Konkretes geschehen, um den Wohnungsbau schneller oder bezahlbarer zu machen“, kritisiert Dr. Ulrike Kirchhoff, die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Bayerischen Immobilienverbände (ABI). Im Gegenteil, nicht einmal zum befristeten Aussetzen der für 2016 anstehenden erneuten Verschärfung der Energieeinsparverordnung hätte sich die Politik durchringen können. Dies sei bisher nur für Gemeinschaftsunterkünfte geschehen.

Der Freistaat Bayern hat mit dem Wohnungspakt Bayern und der Ankündigung, die Wohnraumförderung ab 2016 kontinuierlich zu erhöhen ein starkes Signal gesetzt, so Kirchhoff. Aber dieses wird nicht ausreichen. Denn das Problem seien weiter die viel zu hohen Baukosten. Gerade in diesem Bereich vermissen die bayerischen Immobilienverbände Fortschritte. Als Kostentreiber für den Wohnungsbau benennt die ABI neben den hohen energetischen Standards vor allem Anforderungen an den Schall und Brandschutz, die vorgeschriebenen Fassadenmaterialien, aber auch die geforderte Qualität der Außenanlagen. Einer Studie der Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen zufolge sind die Kosten für den Neubau von Mehrfamilienhäusern in Deutschland seit 2000 um 36 Prozent gestiegen. Durch die Verschärfung der EnEV und des Erneuerbare-Energien-Wärmegesetzes wird das Bauen ab 1.1.2016 noch einmal um neun Prozent teurer. „Diese Preisspirale müssen wir dringend durchbrechen“, so Kirchhoff.

Darüber hinaus müssten die Bauleitplanungen und Baugenehmigungsverfahren deutlich beschleunigt werden. Um bestehende Hemmnisse für die Nachverdichtung und Aufstockung von Wohngebäuden zu beseitigen, sollten die Baunutzungsverordnungen überarbeitet werden. „Die Potentiale zur Nachverdichtung im Bestand könnten noch viel besser genutzt werden“, fasst die ABI-Vorsitzende zusammen.

In der aktuellen Lage kommt es darauf an, gemeinsam an Lösungen zu arbeiten. Die bayerische Immobilienwirtschaft ist dazu bereit.

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Die Arbeitsgemeinschaft der Bayerischen Immobilienverbände  (ABI) umfasst den BFW – Landesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen Bayern e.V., Haus & Grund Bayern – Landesverband Bayerischer Haus-, Wohnungs- und Grundbesitzer e. V., den Immobilienverband Deutschland IVD – Verband der Immobilienberater, Makler, Verwalter und Sachverständigen Region Süd e.V. und den VdW Bayern – Verband bayerischer Wohnungsunternehmen e.V.